{"id":2541,"date":"2019-08-06T14:52:57","date_gmt":"2019-08-06T12:52:57","guid":{"rendered":"https:\/\/schleese-sattel.de\/?p=2541"},"modified":"2019-09-30T22:03:36","modified_gmt":"2019-09-30T20:03:36","slug":"blasen-und-beulen-am-pferderuecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schleese-sattel.de\/en\/blog\/blasen-und-beulen-am-pferderuecken\/","title":{"rendered":"Blasen und Beulen am Pferder\u00fccken"},"content":{"rendered":"<p>Ein Ph\u00e4nomen begegnet mir h\u00e4ufiger beim Sattelanpassen. Ich habe hier einige Fotos von Pferden, mit denen ich gearbeitet habe. Sie alle haben diese merkw\u00fcrdigen Beulen und Blasen entwickelt, nachdem ich ihre S\u00e4ttel angepasst hatte. Das kam mir immer ziemlich seltsam vor, bis ich schlie\u00dflich das Ph\u00e4nomen ergr\u00fcndet und mit verschiedenen Tier\u00e4rzten dar\u00fcber gesprochen hatte, was die Ursachen f\u00fcr diese Unebenheiten sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Beulen am Pferder\u00fccken, die mit Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllt sind, k\u00f6nnen sich beim Reiten entwickeln, wenn das Pferd mit hohlem R\u00fccken geht und die Querforts\u00e4tze der Wirbels\u00e4ule einander ber\u00fchren oder, wie bei Kissing Spines, aneinander reiben, oder wenn der Widerrist sich nicht in einer Linie mit der Wirbels\u00e4ule befindet. Beulen, die mit Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllt sind, k\u00f6nnen au\u00dferdem auch dann entstehen, wenn die B\u00e4nder in naher Vergangenheit durch S\u00e4ttel besch\u00e4digt wurden, deren Kopfeisen zu eng waren.<\/p>\n<p>Liegt ein Sattel auf der Schulter und auf den B\u00e4ndern der Wirbels\u00e4ule auf, statt hinter der Schulter und auf der Muskulatur der Sattelauflagefl\u00e4che, wird der Gro\u00dfteil des Reitergewichtes vom Schulterknorpel und den B\u00e4ndern der Wirbels\u00e4ule getragen. So habe ich es auch k\u00fcrzlich im Blogthema &#8222;Zwei unterschiedliche Theorien \u00fcber die Sattelpassform&#8220; erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Die Fl\u00fcssigkeit entsteht nicht, wenn man Druck auf die besch\u00e4digten B\u00e4nder oder die Querforts\u00e4tze der Wirbels\u00e4ule aus\u00fcbt, da das Pferd in seiner Bewegung durch die Lage und den Druck des Sattels behindert ist. Man k\u00f6nnte daher f\u00e4lschlicherweise annehmen, dass es besser sei, den Sattel auf die Schulter und auf die Wirbels\u00e4ule zu legen, weil dann ja keine Beulen und Blasen entstehen und das Pferd scheinbar keine Beschwerden hat. Das ist aber nur so lange so, wie es noch nicht zu Sch\u00e4digungen gekommen ist. Mit der Zeit wird sich die Muskulatur verspannen und die falschen Muskeln beginnen, sich als Ergebnis eines falschen Trainings auszubilden.<\/p>\n<h2>Ursachen von Beulen am Pferder\u00fccken<\/h2>\n<p>Um die Frage beantworten zu k\u00f6nnen, warum und wie sich die Blasen entwickeln, m\u00fcssen wir etwas tiefer in die wissenschaftliche und medizinische Materie eintauchen, denn dann l\u00e4sst sich der Entstehungsprozess auch erkl\u00e4ren.\u00a0H\u00e4ufig verursachen schlecht passende S\u00e4ttel eine Isch\u00e4mie, das hei\u00dft, eine Mangeldurchblutung, die durch eine Gef\u00e4\u00dfverengung oder lokale Hemmung des normalen arteriellen Flusses &#8211; mit anderen Worten, durch einen klemmenden oder Druck verursachenden Sattel &#8211; verursacht wurde. Beseitigt man diesen Zustand, indem man den Sattel korrekt anpasst und Druck und Klemmen verhindert, entsteht ein Ph\u00e4nomen, das man Reperfusion oder Wiederdurchblutung nennt. Das bedeutet, dass nun wieder Fl\u00fcssigkeit durch das Lymphsystem und die Blutgef\u00e4\u00dfe hin zu Organen oder Gewebe flie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>F\u00fchren der Druck oder das Klemmen des Sattels bis zur Isch\u00e4mie, dann kommt es zu einer Anh\u00e4ufung von sauren Stoffwechselprodukten, sogenannten aziden Metaboliten. Andere Beispiele f\u00fcr Metaboliten sind Glucose im Zuckermetabolismus oder Aminos\u00e4uren in der Biosynthese der Proteine. Schlimmstenfalls atrophiert die \u00fcbers\u00e4uerte Zelle und verliert nach und nach ihre Funktion. Eine Zeitlang l\u00e4sst sich das r\u00fcckg\u00e4ngig machen und die volle Funktionalit\u00e4t wieder herstellen. Wenn der Zustand aber zu lange anh\u00e4lt, degeneriert die Zelle komplett. Sie verliert dann f\u00fcr immer ihre Funktion.<\/p>\n<p>Wird die St\u00f6rung rechtzeitig behoben, werden die sauren Stoffwechselprodukte in den Blutkreislauf \u00fcberf\u00fchrt und im Zuge dessen wei\u00dfe Blutk\u00f6rperchen aktiviert. Diese kleben an den Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nden und wandern schlie\u00dflich in das Bindegewebe, wodurch entz\u00fcndliche Reaktionen ausgel\u00f6st werden. Dabei werden Histamine frei gesetzt, die die Innenschicht der Zellen sch\u00e4digen k\u00f6nnen. Das f\u00fchrt dazu, dass Fl\u00fcssigkeit in die Zelle eindringen kann, und was wir dann sehen k\u00f6nnen, sind Schwellungen oder Beulen, \u00d6deme oder Blasen.<\/p>\n<p>Ein korrekt angepasster Sattel f\u00fchrt zu einer sofortigen Besserung des Pferdes. Nichts dr\u00fcckt oder schmerzt mehr. Die Blutzufuhr zu den atrophierten Muskeln nimmt zu, aber als Ergebnis und infolge der oben beschriebenen Entz\u00fcndung gibt es eben auch h\u00e4ufig eine sichtbare Schwellung. Diese kann tats\u00e4chlich einige Wochen andauern, so lange, bis alles \u00fcbers\u00e4uerte Material abgebaut wurde und der Muskel sich regeneriert hat und wieder normal arbeitet. Wenn er seine normale Form zur\u00fcckgewonnen hat, verschwindet die Schwellung und die Bewegungen des Pferdes sind besser denn je.<\/p>\n<p>Ein korrekt angepasster Sattel liegt auf den gewichtstragenden Muskeln der Sattelauflagefl\u00e4che auf und nicht auf der Wirbels\u00e4ule, den B\u00e4ndern oder dem Schulterknorpel. Vielleicht reagiert das Pferd mit Muskelkater, da es nun nicht mehr die Muskeln einsetzt, die es w\u00e4hrend der Zeit benutzt hat, als der Sattel noch auf der Wirbels\u00e4ule, den B\u00e4ndern und dem Schulterknorpel auflag. Muskeln sind mit mehr Nerven durchzogen, als B\u00e4nder, Knorpel und Knochen. Daher kann ein korrekt angepasster Sattel zun\u00e4chst etwas Unbehagen ausl\u00f6sen. Da der Sattel nun ja nicht mehr auf den gesch\u00e4digten B\u00e4ndern aufliegt, f\u00fchrt die oben besprochene Wiederdurchblutung oder Reperfusion des isch\u00e4mischen Gewebes dazu, dass Fl\u00fcssigkeit an die Oberfl\u00e4che transportiert wird.<\/p>\n<p>Schlimmstenfalls wurde das Muskelgewebe durch den lang andauernden Druck und Schmerz komplett zerst\u00f6rt (sogenannte &#8222;fibrotische Destruktion&#8220;) und auch ein gut angepasster Sattel kann diesen Prozess nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Die Entz\u00fcndung wird mit der Reperfusion des Gewebes zunehmen und das Pferd wird keinen weiteren Schaden nehmen, aber die degenerierten, atrophierten Muskeln werden auch nicht anfangen, zu wachsen. Die gesch\u00e4digten Muskelzellen sind nicht mehr zu retten.<\/p>\n<p>Die meisten Tier\u00e4rzte empfehlen bei einer Sch\u00e4digung von mehr als einer der sieben Hautschichten, dem Pferd eine Heilungsphase von mehreren Monaten zu geben, in der Regel zwischen vier und sechs Monaten. Die Blasen und Beulen sind ein Zeichen f\u00fcr eine solche Sch\u00e4digung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ph\u00e4nomen begegnet mir h\u00e4ufiger beim Sattelanpassen. Ich habe hier einige Fotos von Pferden, mit denen ich gearbeitet habe. Sie alle haben diese merkw\u00fcrdigen Beulen und Blasen entwickelt, nachdem ich ihre S\u00e4ttel angepasst hatte. 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