{"id":2544,"date":"2019-08-07T14:55:27","date_gmt":"2019-08-07T12:55:27","guid":{"rendered":"https:\/\/schleese-sattel.de\/?p=2544"},"modified":"2019-09-30T22:07:26","modified_gmt":"2019-09-30T20:07:26","slug":"sattelpassform-und-geradheit-des-sattels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schleese-sattel.de\/en\/blog\/sattelpassform-und-geradheit-des-sattels\/","title":{"rendered":"Sattelpassform und Geradheit des Sattels"},"content":{"rendered":"<p>Eine Alltagssituation: Die Reiterin sitzt schief, ihre linke H\u00fcfte ist eingeknickt. Wenn ich den Sattel aufs\u00a0 Pferd lege, passt der Baum, die Kissen sind gleich hoch und die Reiterin sitzt ausbalanciert auf beiden Sitzbeinh\u00f6ckern. Im Stehen sieht alles super aus. Dann beginnt das Pferd, sich zu bewegen. Der Sattel tut, was er tun soll, er bleibt ruhig liegen und ich bin zufrieden, mit dem was ich sehe und damit, wie der Sattel zum Pferd passt. Aber die Reiterin sitzt schief. In neun von zehn F\u00e4llen liegt die Ursache dieses Problems im Becken und in den Beinen. Die meisten Reiterinnen kompensieren ihre Schiefe in der Lendenwirbels\u00e4ule. Dadurch wird auch der Oberk\u00f6rper beteiligt. Meist gibt es eine Rotation irgendwo\u00a0 in der Wirbels\u00e4ule, eine Schulter ist h\u00f6her als die andere und auf einer Seite wird die Hand h\u00f6her getragen.<\/p>\n<p>Nehme ich den Sattel ab, sieht der Staubabdruck zwar gut aus, aber auf einer Seite ist ein wenig mehr Staub, als auf der anderen. Das ist meist die Seite, auf der die Reiterin \u201eschwerer\u201c einsitzt.<\/p>\n<p>Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass die Reiterin gro\u00dfen Einfluss darauf hat, wie gerade ihr Pferd ist. Ich habe nur eine Handvoll Pferde gesehen, deren Trapezius und langer R\u00fcckenmuskel auf beiden Seiten gleich stark ausgebildet waren. Diese Pferde wurden mit einem anpassbaren Baum geritten und ihre Reiterinnen sa\u00dfen fast gerade.<\/p>\n<p>Wenn man ein Pferd vor Langzeitsch\u00e4den sch\u00fctzen m\u00f6chte, muss man also auch der Reiterin \u201ehelfen\u201c. Das ist aber nicht wirklich unser Job als Sattelanpasser. Der Ausbilder glaubt, dass das Pferd schuld sei, weil es schief ist. Passe ich also die Kissen so an, dass die Reiterin weniger schief sitzt oder lasse ich alles so, wie es ist? Ist die Reiterin daf\u00fcr verantwortlich, sich um ihren K\u00f6rper \u00a0zu k\u00fcmmern, so dass sie ihrem Pferd keinen Schaden zuf\u00fcgt?<\/p>\n<p>Sattelanpasser, Ausbilder und Reiterin haben drei M\u00f6glichkeiten zur Auswahl, die jeweils von den aktuellen und individuellen Umst\u00e4nden abh\u00e4ngen. Ich glaube, dass es mehr als einen Faktor gibt, der das Geb\u00e4ude des Pferdes oder den K\u00f6rper der Reiterin innerhalb k\u00fcrzester Zeit beeinflussen kann. (Foto: \u00a0Dr. Joanna Robson, DVM)<\/p>\n<ol>\n<li>Die Kissen k\u00f6nnen so angepasst werden, dass sie die \u201estrukturell bedingte\u201c Schiefe der Reiterin ausgleichen.<\/li>\n<li>Hat die Reiterin Haltungsprobleme, muss sie an ihrer eigenen geraden K\u00f6rperhaltung arbeiten und ihre Muskulatur beispielsweise durch Pilates st\u00e4rken. S\u00e4ttel sollten niemals als Prothese dienen. S\u00e4ttel sind dazu da, Pferd und Reiter vor Langzeitsch\u00e4den zu sch\u00fctzen, aber nicht als Kr\u00fccke f\u00fcr Reiterinnen, die keine K\u00f6rperkontrolle besitzen.<\/li>\n<li>Falls die linke Schulter des Pferdes gr\u00f6\u00dfer sein sollte, sitzt der Sattel im Stand gerade. Die gr\u00f6\u00dfere linke Schulter wird den Sattel in der Bewegung aber auf die hohle (rechte) Seite schieben. In diesem Fall sollte eine geometrische Anpassung am Sattel vorgenommen werden und die linke Seite des Kopfeisens \u201ex\u201c cm weiter sowie die rechte Seite um das gleiche Ma\u00df enger gestellt werden. Dadurch hat der Sattel auf der linken Seite mehr Raum f\u00fcr die Bewegung der gr\u00f6\u00dferen linken Schulter, und der Sattel wird in der Bewegung nicht mehr nach rechts<\/li>\n<\/ol>\n<p>Etwas, das ich selbst auf den professionellen Fotos in Reitsportmagazinen h\u00e4ufig sehe, ist, dass die Reiterin nicht gerade auf dem Pferd sitzt. Das f\u00e4llt vor allem dann auf, wenn man die Reiterin von hinten sieht.<\/p>\n<p>Als Reiterin sollten Sie sich fragen, ob Sie beim Reiten h\u00e4ufig in den immer gleichen Steigb\u00fcgel treten m\u00fcssen, um Ihren Sattel wieder mittig auszurichten. Das bedeutet, dass Ihr Sattel aus irgendeinem Grund nicht mittig liegt.<\/p>\n<p>Sobald Sie festgestellt haben dass der Kissenkanal und das Kopfeisen Ihres Sattels\u00a0 zu Ihrem Pferd passen, dass die Gurtstrippen richtig positioniert sind und die Sattell\u00e4nge f\u00fcr Ihr Pferd korrekt ist, m\u00fcssen Sie herausfinden, ob der Sattel gerade auf dem Pferder\u00fccken aufliegt. Geradheit bedeutet, dass der Schwerpunkt des Sattels sich an der Wirbels\u00e4ule des Pferdes ausrichtet. Manchmal wirkt ein Sattel beim beidseitig angebundenen Pferd gerade, rutscht aber nach links oder rechts, wenn das Pferd geritten wird. Ein Sattel, der auf eine Seite rutscht oder sich dorthin dreht, kann zu Problemen mit dem Iliosakralgelenk (Kreuzdarmbeingelenk, ISG) des Pferdes f\u00fchren. Rutscht der Sattel so sehr, dass die Kissen auf der Wirbels\u00e4ule des Pferdes liegen, kann das zu irreversiblen Sch\u00e4den f\u00fchren, die ein anderes Mal an dieser Stelle besprochen werden sollen.<\/p>\n<p>Auch die Reiterin wird Probleme bekommen, wenn sie permanent das Rutschen des Sattels zu einer Seite ausgleichen muss, indem sie mehr Gewicht auf die andere Seite des Sattels bringt, um sich gerade zu f\u00fchlen. Alle m\u00f6glichen langfristigen Probleme am Bewegungsapparat k\u00f6nnen als Folge davon auftreten. Zuerst werden sie nur als kleine Unp\u00e4sslichkeiten verharmlost, statt als Hinweis auf die sp\u00e4teren Schmerzen und lang andauernden Probleme ernst genommen zu werden.<\/p>\n<h2>Geradheit des Sattels pr\u00fcfen<\/h2>\n<p>Die beste M\u00f6glichkeit, festzustellen, ob Ihr Sattel beim Reiten auf eine Seite rutscht oder sich dorthin dreht, ist das Erstellen eines Staubabdrucks. Hinterher analysieren Sie dann das Ergebnis. Vor dem Reiten b\u00fcrsten Sie den R\u00fccken Ihres Pferdes nicht wie sonst, sondern satteln und trensen es und reiten es auf einem Zirkel mit 20 Metern Durchmesser auf beiden H\u00e4nden in allen Gangarten. Dann nehmen Sie den Sattel vorsichtig ab, um den Abdruck nicht zu zerst\u00f6ren, den die Kissen hinterlassen haben. Binden Sie Ihr Pferd m\u00f6glichst von beiden Seiten an oder lassen Sie es von jemandem auf ebenem Boden halten. \u00dcberpr\u00fcfen Sie nun den Pferder\u00fccken von einer Aufstiegshilfe oder von einem Stuhl aus, so dass Sie den Staubabdruck genau in Augenschein nehmen k\u00f6nnen. Lag der Sattel sch\u00f6n gleichm\u00e4\u00dfig und gerade auf dem R\u00fccken auf? Oder rutschte er nach links oder rechts? Falls Sie sich unsicher sind, messen Sie auf beiden Seiten den Abstand von der Mitte der Wirbels\u00e4ule Ihres Pferdes bis zur hinteren Au\u00dfenseite der Kissen mit einem Ma\u00dfband. Rutscht der Sattel nach rechts, was wegen der normalerweise ausgepr\u00e4gteren Muskulatur h\u00e4ufiger vorkommt, ist der Abstand von der Mitte der Pferdewirbels\u00e4ule zum rechten hinteren, \u00e4u\u00dferen Kissenrand gr\u00f6\u00dfer als der Abstand von der Mitte der Pferdewirbels\u00e4ule zum linken \u00e4u\u00dferen Kissenrand.<\/p>\n<p>Warum rutscht ein Sattel \u00fcberhaupt auf eine Seite des Pferder\u00fcckens? Das liegt an der nat\u00fcrlichen Schiefe des Pferdes. Die \u00fcberwiegende Mehrheit von Pferden ist von der Schulter an asymmetrisch gebaut. Die meisten Pferde haben eine gr\u00f6\u00dfere, besser bemuskelte linke Schulter, bei einigen ist es die rechte Schulter, die gr\u00f6\u00dfer und besser bemuskelt ist und\u00a0 eine kleine Minderheit von Pferden hat gleich gro\u00dfe Schultern. Das Verh\u00e4ltnis ist in etwa 70 : 20 : 10. Ob ein Pferd links oder rechts dominant ist, kann von seiner Lage im Uterus herr\u00fchren und\/oder davon, welches Bein es beim Grasen nach vorne nimmt und\/oder davon, wie es trainiert wurde. Manchmal verrutscht der Sattel auch deswegen, weil das Kopfeisen oder der Kissenkanal zu eng sind, oder weil die Breite oder Winkelung des Baumes nicht zum Pferd passt. Dann kommt es dazu, dass die ausgepr\u00e4gtere Schulter den Sattel auf die andere Seite schiebt.<\/p>\n<p>Andererseits dr\u00fcckt eine schief sitzende Reiterin die F\u00fcllung der Kissen auf einer Seite st\u00e4rker zusammen und zieht den Sattel auf diese Seite. Vielleicht r\u00fchrt ihr Ungleichgewicht von einer Skoliose her, oder sie hat einen Beckenschiefstand oder sie oder er legt mehr Gewicht in einen B\u00fcgel.<\/p>\n<p>Wenn Sie herausgefunden haben, dass Ihr Sattel schief liegt, sollten Sie den Grund daf\u00fcr suchen und das zugrundeliegende Problem l\u00f6sen, um Langzeitsch\u00e4den zu vermeiden. Bei Ihrem Pferd und bei Ihnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Alltagssituation: Die Reiterin sitzt schief, ihre linke H\u00fcfte ist eingeknickt. Wenn ich den Sattel aufs\u00a0 Pferd lege, passt der Baum, die Kissen sind gleich hoch und die Reiterin sitzt ausbalanciert auf beiden Sitzbeinh\u00f6ckern. Im Stehen sieht alles super aus. Dann beginnt das Pferd, sich zu bewegen. 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