{"id":4373,"date":"2020-10-01T10:30:48","date_gmt":"2020-10-01T08:30:48","guid":{"rendered":"https:\/\/schleese-sattel.de\/?p=4373"},"modified":"2020-09-28T16:07:45","modified_gmt":"2020-09-28T14:07:45","slug":"sattel-mit-oder-ohne-baum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schleese-sattel.de\/en\/blog\/sattel-mit-oder-ohne-baum\/","title":{"rendered":"Baumlos?- Sattel besser mit oder ohne Baum?"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff baumloser Sattel ist im Grunde irref\u00fchrend, da es sich eigentlich um ein Reitkissen oder Bareback Pad handelt. Besonders eingehen m\u00f6chte ich auf den Punkt, dass baumlose S\u00e4ttel nach der Ansicht einiger bestens angepassten S\u00e4tteln mit Baum \u00fcberlegen sind. Bitte entschuldigen Sie, wenn dieser Text ein wenig lang wird, und ich ihn daher in zwei Teile unterteilen werde. Der Rest folgt dann in zwei Wochen. Es gibt einfach so viel zu sagen!<\/p>\n<p>Das Reitergewicht kann nur durch einen Baum von der Wirbels\u00e4ule des Pferdes weggehalten werden. Das Pferd hat eine horizontale Wirbels\u00e4ule, der Mensch hat eine vertikale Wirbels\u00e4ule. Vielleicht denken Sie, dass ein Reitergewicht von ungef\u00e4hr 80 Kilo f\u00fcr ein Pferd keine Folgen hat. Dem ist aber nicht so. Der Schwerpunkt des Pferdes liegt direkt hinter seinem Widerrist. In einem baumlosen Sattel kann der Reiter aber nicht weit genug nach vorne sitzen und muss daher hinter der Bewegung bleiben. Auch das Risiko, dass er hinter der letzten unterst\u00fctzenden Rippe sitzt, ist gro\u00df. Vor allem bei M\u00e4nnern liegen ja die Sitzbeine dichter zusammen und haben einen steileren Winkel, so dass sie sich jedes Mal, wenn er einsitzt, in den Pferder\u00fccken bohren. Das wird innerhalb k\u00fcrzester Zeit sehr schmerzhaft. Ein Reiter, der zwei Mal pro Woche eine halbe Stunde ausreitet, f\u00fcgt seinem Pferd damit keine Langzeitsch\u00e4den zu, doch ein weit ausgebildetes Dressurpferd, das f\u00fcnf Mal pro Woche 45 Minuten unter einem 70 Kilo-Reiter geht und dabei die Sitzbeine in den R\u00fccken gebohrt bekommt, ist es keine sch\u00f6ne Sache. Nat\u00fcrlich hat es mehr Schulterfreiheit, als unter einem Sattel mit einem starren Baum, doch inzwischen gibt es sehr viele Sattelb\u00e4ume, die an dieser Stelle etwas flexibler sind.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig wurden Pferdeschultern durch die Ortspitzen der Kopfeisen gesch\u00e4digt. Daher ist ein Sattel mit l\u00e4ngeren Ortspitzen, die nach hinten weisen, optimal. Ein Sattelbaum kann sich sehr nachteilig auswirken, wenn er nicht korrekt konstruiert ist. Das ist bewiesen. Durch den Einsatz von Kameras mit Glasfaserleitern und durch Thermografie konnten Knochenchips und Verletzungen am Schulterblatt des Pferdes dargestellt werden. Doch auch ein baumloser Sattel kann zu Verletzungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es hat einen Grund, dass die Mehrheit der S\u00e4ttel heute noch immer einen Baum besitzt. Wichtig ist dabei aber, dass der Baum die richtige L\u00e4nge und vor allem am Widerrist auch die richtige Passform f\u00fcr das jeweilige Pferd hat. Am Widerrist, dem \u201eGrip\u201c des Sattels, bei\u00dft der Hengst eine Stute vor dem Deckakt, damit sie sich nicht bewegt. Hier sitzt ein Reflexpunkt, der unabh\u00e4ngig vom Geschlecht des Pferdes Immobilit\u00e4t bewirkt. Daher sollte genau hier auch nicht zu viel Druck ausge\u00fcbt werden. Der Druck k\u00f6nnte au\u00dferdem die Dornforts\u00e4tze der Pferdewirbels\u00e4ule und die B\u00e4nder, die seitlich der Wirbels\u00e4ule verlaufen, sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Baumlose S\u00e4ttel oder Reitkissen, funktionieren eine Zeitlang gut, vor allem, wenn das Pferd vorher mit einem schlecht angepassten Sattel geritten wurde. Mit der Zeit wird der konstante Druck aber zu Langzeitsch\u00e4den f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es ist widersinnig, zu erwarten, dass man einen Sattel kaufen kann, der ohne jegliche Anpassung ein Leben lang passt. Ein gut passender Sattel f\u00fchrt dazu, dass das Pferd Muskulatur aufbaut und sich sein Geb\u00e4ude ver\u00e4ndert, so dass mindestens ein Mal im Jahr eine Sattelanpassung n\u00f6tig ist, damit der Sattel diesem Wachstum gerecht wird. Reitet man fortw\u00e4hrend in einem Sattel, ohne dass dieser aufgepolstert oder neu angepasst wird, tut man dem Pferd keinen Gefallen. Benutzt man stattdessen unterschiedliche Pads, um die Passform anzupassen, ist das h\u00f6chstens eine Notl\u00f6sung. Pads sollen das Leder gut angepasster S\u00e4ttel vor Schwei\u00df sch\u00fctzen und nicht dicker als eine d\u00fcnne Lage Baumwolle sein. Stellen Sie sich vor, Ihre Schuhe seien zu eng und sie z\u00f6gen noch ein weiteres Paar Socken an! Das ist das gleiche Prinzip.<\/p>\n<p>Meine Ausf\u00fchrungen oben werden von vielen aktuellen B\u00fcchern zur Anatomie des Pferdes gest\u00fctzt (siehe vor allem die Verweise auf das lange R\u00fcckenband, das Ligamentum Supraspinale).<br \/>\nTier\u00e4rzte tun sich mitunter schwer, eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr Probleme von Pferden zu finden, wenn diese durch die Verwendung eines falschen oder schlecht sitzenden Sattels verursacht wurden. Die traurige Wahrheit ist, dass baumlose S\u00e4ttel der Logik der Anatomie von Pferden widersprechen. Sie funktionieren vielleicht ein paar Jahre lang, doch wie hier bereits ausf\u00fchrlich dargestellt, gibt es einen Grund daf\u00fcr, dass S\u00e4ttel mit Baum auf dem Markt \u00fcberwiegen und weltweit so erfolgreich waren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff baumloser Sattel ist im Grunde irref\u00fchrend, da es sich eigentlich um ein Reitkissen oder Bareback Pad handelt. 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