{"id":4693,"date":"2020-11-11T17:28:09","date_gmt":"2020-11-11T15:28:09","guid":{"rendered":"https:\/\/schleese-sattel.de\/?p=4693"},"modified":"2020-11-12T10:18:54","modified_gmt":"2020-11-12T08:18:54","slug":"die-sattelpassform-und-der-sattelbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schleese-sattel.de\/en\/blog\/die-sattelpassform-und-der-sattelbaum\/","title":{"rendered":"Die Sattelpassform und der Sattelbaum"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4694\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-I-300x297.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-I-300x297.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-I-150x150.jpg 150w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-I-12x12.jpg 12w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-I.jpg 550w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>selbst in fr\u00fcheren Zeiten war den Sattelbauern klar, dass Sattelb\u00e4ume gebraucht wurden, die angemessen passten und mit einer gro\u00dfen Gewicht tragenden Fl\u00e4che in der Mitte konstruiert waren, so wie bei diesem Sattel oben.<\/p>\n<p>Ich werde oft nach meiner Meinung zu den letzten und neuesten Sattelmodellen auf dem Markt gefragt. Nat\u00fcrlich muss ich sehr vorsichtig mit dem sein, was ich dann sage. Meine Kommentare werden weitergegeben und landen am Ende vielleicht beim Sattelhersteller, der sie wom\u00f6glich als Verleumdung oder Diffamierung missversteht. Das ist niemals meine Absicht. Allerdings glaube ich, dass meine Meinung nach mehr als 35 Jahren Erfahrung und st\u00e4ndiger und unerbittlicher professioneller Weiterentwicklung ganz klar von Nutzen sein kann. Wenn man also die Vor- und Nachteile unterschiedlicher S\u00e4ttel auf dem Markt diskutieren und dabei keine bestimmten Marken, Modelle oder Satteldesigns erw\u00e4hnen m\u00f6chte, ist es in meinen Augen am besten, sich den Kern des Sattels anzusehen, und das ist der Sattelbaum. Der Sattelbaum, oder sein Fehlen, ist die Grundlage aller S\u00e4ttel.<br \/>\nDie Geschichte des Sattelbaus zeigt, dass Sattelb\u00e4ume 4300 Jahre lang beinahe unver\u00e4ndert aussahen. Sehr lange Zeit war das Pferd f\u00fcr die Menschheit unverzichtbar und es war daher \u00e4u\u00dferst wichtig, dass es gesund und fit blieb, um die Bed\u00fcrfnisse des Menschen erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Pferde waren ein Verm\u00f6genswert und wurden weniger als heute im Sport eingesetzt oder als austauschbares Konsumgut oder Wegwerfartikel betrachtet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4695\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-II-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-II-300x225.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-II-16x12.jpg 16w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-II.jpg 320w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Die Sattelunterst\u00fctzungsfl\u00e4che, die ideale Gewichtsverteilung ist in Prozent angegeben<\/p>\n<p>Als das Pferd vermehrt im Sport eingesetzt wurde und die Menschen sogar begannen, Pferde zur Selbstdarstellung zu benutzen, ver\u00e4nderte sich das Satteldesign. Die S\u00e4ttel wurden auf die unterschiedlichen Sportarten abgestimmt, in denen Pferde antraten. Reiter, die auf einen Vorteil im Wettbewerb aus waren oder die den gleichen Sattel benutzen wollten, den ein Topreiter empfahl, wurden von der Reitsportindustrie bedient. In den unterschiedlichen Disziplinen im englischen und im Westernreiten wurden S\u00e4ttel nun auch unterschiedlich designt.<br \/>\nAlle Sattelb\u00e4ume sollten dennoch ein gemeinsames Ziel haben. Sie sollten den Widerrist \u00fcberbr\u00fccken, das Gewicht verteilen und den Reiter ins Gleichgewicht setzen. Die meisten Pferde haben auf beiden Seiten der Wirbels\u00e4ule eine zehn Zentimeter breite und etwa vierzig Zentimeter lange Sattelunterst\u00fctzungsfl\u00e4che. Stellen Sie sich vor, dass Sie diese Fl\u00e4che auf jeder Seite in drei gleiche Teile unterteilen. Der Baum ist so konstruiert, dass im vorderen und hinteren Teil jeweils drei\u00dfig Prozent des Gewichts von Sattel und Reiter getragen werden und im mittleren Teil vierzig Prozent.<br \/>\nDie Sattelb\u00e4ume von Armee- und Westerns\u00e4tteln sind sehr gro\u00df. Sie verteilen das Reitergewicht auf einer gro\u00dfen Fl\u00e4che, da die Reiter viel Zeit im Sattel verbringen. Diese Sattelb\u00e4ume haben hinten und vorne l\u00e4ngere Trachten, damit zus\u00e4tzliches Gewicht oder Ausr\u00fcstung transportiert werden kann, wenn das erforderlich ist.<br \/>\nDas Pferd versammelt sich kaum, es l\u00e4uft nicht \u201crund\u201d wie ein Spring- oder Dressurpferd. Der Reiter sitzt in der Mitte oder am hinteren Ende des Sattels auf der relativ gro\u00dfen Sattelunterst\u00fctzungsfl\u00e4che. Je l\u00e4nger der Reiter im Sattel sitzen muss, desto breiter muss der Sattelbaum in der Mitte sein. Das ist notwendig, damit das Pferd den Baum anheben kann. Es hebt dann seinen mittleren R\u00fccken an und der Sattelbaum hebt sich von der Mitte bis zu den Schultern und zur hinteren Sattelbaumregion im Bereich der Pferdelende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4696\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-III-300x110.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"110\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-III-300x110.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-III-16x6.jpg 16w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-III.jpg 550w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Der Sattelbaum von Renns\u00e4tteln ist das genaue Gegenteil eines Westernsattelbaums. Er hat eine winzige Sattelunterst\u00fctzungsfl\u00e4che. Er ist sehr eng oder endet in der Mitte, da der Jockey nie wirklich auf dem Pferder\u00fccken sitzt. Anders als in allen anderen Reitsportdisziplinen geht es im Rennsport um Schnelligkeit und Ausdauer. Der Reiter sitzt beim Reiten in dieser Disziplin nicht im Sattel, um den Pferder\u00fccken zu aktivieren, sondern steht stattdessen meist in den B\u00fcgeln. Die B\u00fcgelriemen, die das Gewicht tragen, h\u00e4ngen an den Sturzfedern\/am Kopfeisen, an einem halben oder ganzen Baum, am Trainings- oder Rennsattelbaum. Der Jockey steht im Training einen kurzen Moment lang auf dem Pferder\u00fccken, im Rennen sogar noch k\u00fcrzer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4697\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-IV-300x112.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-IV-300x112.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-IV-16x6.jpg 16w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-IV.jpg 550w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Der englische Baum von Sports\u00e4tteln ist im Gegensatz zu Sattelb\u00e4umen von Renns\u00e4tteln daf\u00fcr gedacht, das Pferd zu trainieren, w\u00e4hrend man im Sattel sitzt. Im Training geht es darum, durch die Aktivierung des Pferder\u00fcckens das Gewicht des Pferdes vermehrt von der Vor- auf die Hinterhand zu verlagern. Das erfordert einiges an reiterlichem Geschick. Man muss sowohl genug Kontakt mit dem Sitz machen, als auch leicht genug sitzen, so dass das Pferd in der Lage ist, seinen R\u00fccken anzuheben. Hebt das Pferd seinen R\u00fccken in der Mitte unter dem Sattelbaum an, kann es sein Becken kippen und die Hinterhand kann vermehrt unter den Schwerpunkt treten. Auf diese Weise tr\u00e4gt das Pferd mehr Last mit der Hinterhand und das Gewicht oder der Druck auf die Vorhand nimmt ab. Wenn Sie sich den Pferder\u00fccken einmal genauer ansehen, werden Sie feststellen, dass er dort, wo der Sattel sitzt, relative gerade verl\u00e4uft. Die Mehrheit der englischen S\u00e4ttel hat einen st\u00e4rkeren Schwung im hinteren Bereich. Je breiter der Baum in der Mitte oder je ausgepr\u00e4gter der Schwung ist, desto weniger Druck wird auf die Pferdeschulter und die \u2013lende ausge\u00fcbt. Ist der Baum in der Mitte eng oder ist er am Ende gerader, kommt es zu verst\u00e4rkter Hitze und Druck im Schulterbereich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4698\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-V-300x110.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"110\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-V-300x110.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-V-16x6.jpg 16w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-V.jpg 550w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Links: Korrekter englischer Baum mit Schwung. Rechts: Angemessene Schulterfreiheit mit korrektem Winkel<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4699\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VI-300x110.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"110\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VI-300x110.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VI-16x6.jpg 16w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VI.jpg 550w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\nLinks: Angemessene Lendenfreiheit, die die Aktivierung des R\u00fcckens erm\u00f6glicht und in der mittleren Region (rechts) gen\u00fcgend Unterst\u00fctzung bietet, damit das Pferd den R\u00fccken aufw\u00f6lben und den Baum anheben kann<\/p>\n<p>Einige Sattelhersteller haben sich dieser Tage reichlich willk\u00fcrliche Sattelkonstruktionen ausgedacht, die irref\u00fchrend beworben werden und denen ganz offensichtlich Missverst\u00e4ndnisse hinsichtlich der Biomechanik von Pferden zugrunde liegen. Einige Satteldesigner oder \u2013anpasser missverstehen das wesentliche Prinzip, dass der Sattelbaum in der Mitte weit sein und einen leichten Schwung haben muss. Diese Form der Sattelkonstruktion gibt es nun seit \u00fcber 4300 Jahren. Wenn der Pferder\u00fccken sich nach oben und unten bewegt, ist der geringere Druck auf dem vorderen und hinteren Drittel. Bei manchen Sattelkonstruktionen befindet sich im ersten Drittel viel Fl\u00e4che, wenig in der Mitte und etwas mehr hinten. Die Verteilung liegt bei 50\/20\/30 %.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4700\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VII-300x233.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VII-300x233.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VII-16x12.jpg 16w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Bild-VII.jpg 320w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Dieser Baum ist zu gerade und hohl in der Mitte. Hier ist das notwendige Anheben des Baums in der Bewegung nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Bei einigen S\u00e4tteln wird durch eine Art \u201eSt\u00fctze\u201c versucht, den Sattelbaum im vorderen und hinteren Bereich in der Schwebe zu halten, w\u00e4hrend die mittlere Region fast keine Sattelunterst\u00fctzungsfl\u00e4che hat. Man findet h\u00e4ufig Muskelatrophien und wei\u00dfe Haare auf dem vorderen oder hinteren Pferder\u00fccken, selten in der Mitte. In der Mitte des Pferder\u00fcckens findet man die wei\u00dfen Haare nur dann, wenn das Pferd \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum mit einem baumlosen Sattel geritten wurde. Es gibt zwar eine Menge wissenschaftlich basierter diagnostischer Werkzeuge wie Fiberoptik-Kameras, Herzfrequenzmessegr\u00e4te, Thermographie, Computersattelpads, doch diejenigen, die S\u00e4ttel entwerfen, zweifeln die Informationen, die uns diese Ger\u00e4te geben, h\u00e4ufig an, einfach aus ihrer pers\u00f6nlichen Meinung und aus Vorurteilen heraus. Vielleiht fehlt es ihnen an der n\u00f6tigen Integrit\u00e4t und sie haben eher das Geldverdienen im Sinn, und wenn sie dar\u00fcber nachdenken, welche S\u00e4ttel sie verkaufen wollen, lassen sie sich eher von der \u00dcberlegung leiten, was gut f\u00fcr ihren Geldbeutel ist, als davon, was gut f\u00fcrs<br \/>\nIch hoffe, dass meine vielen Artikel und Videos zusammen mit den Informationen aus meinem Buch Sie dabei unterst\u00fctzen, sich Ihre eigene Meinung zu bilden und sich sorgf\u00e4ltig zu informieren und die infrage kommenden S\u00e4ttel zu pr\u00fcfen und anpassen zu lassen, um Ihr Pferd vor Langzeitsch\u00e4den im R\u00fccken zu bewahren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>selbst in fr\u00fcheren Zeiten war den Sattelbauern klar, dass Sattelb\u00e4ume gebraucht wurden, die angemessen passten und mit einer gro\u00dfen Gewicht tragenden Fl\u00e4che in der Mitte konstruiert waren, so wie bei diesem Sattel oben. 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