{"id":6192,"date":"2022-05-13T19:51:59","date_gmt":"2022-05-13T17:51:59","guid":{"rendered":"https:\/\/schleese-sattel.de\/?p=6192"},"modified":"2023-09-01T14:57:11","modified_gmt":"2023-09-01T12:57:11","slug":"geschichte-knabstrupper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schleese-sattel.de\/en\/blog\/geschichte-knabstrupper\/","title":{"rendered":"Durch gezielte Zucht eine Population retten: Knabstrupper"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Mitunter nehme ich an den Online-Seminaren der Guelph-University\u00a0 in Pferdewissenschaften teil, um mein Wissen im Pferdesportbereich zu erweitern. Im vergangenen Winter habe ich einen Kurs in Pferdegenetik belegt. Das war eine ziemliche Herausforderung, denn es ist \u00fcber vier Jahrzehnte her, dass ich mein Studium der Biowissenschaften abgeschlossen habe. Es war aber auch hochinteressant. Als Abschlussthema w\u00e4hlte ich das Thema \u201e<strong>Durch gezielte Zucht eine Population retten<\/strong>\u201c <strong>am Beispiel der Knabstrupper Pferde.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich m\u00f6chte erkl\u00e4ren, warum ich diese relativ undurchsichtige, einzigartige und irgendwie esoterische Rasse dem indischen Marwari Pferd vorzog. Das Marwari Pferd stand n\u00e4mlich als weitere ungew\u00f6hnliche Pferderasse ebenfalls zur Auswahl. Einige meiner Informationen stammen von <a href=\"http:\/\/www.knabstruppers.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Homepage<\/a> und andere von Wikipedia. Dieser Blogbeitrag ist ein Auszug aus meinem tats\u00e4chlichen Essay.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6193\" aria-describedby=\"caption-attachment-6193\" style=\"width: 157px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-6193\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-1-258x300.jpg\" alt=\"Foto: Sabine Schleese\" width=\"157\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-1-258x300.jpg 258w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-1-10x12.jpg 10w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-1.jpg 461w\" sizes=\"(max-width: 157px) 100vw, 157px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6193\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Sabine Schleese<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich die vielen Fotoalben und Erinnerungen meines Vaters f\u00fcr unsere englischsprachige Familie aus dem Deutschen ins Englische \u00fcbersetzte, stie\u00df ich auf das Foto oben. Mein Vater hatte es in Salzburg aufgenommen, wo er Urlaub von seinen Pflichten als U-Boot-Kommandeur gemacht hatte. Unter dem Foto stand: \u201eJemand, den ich traf, als ich gerade aus dem Bahnhof\u00a0 kam\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich ein Junge war, war \u201ePippi Langstrumpf\u201c mit ihrem gepunkteten, dalmatinerartigen vermeintlichen Knabstrupper Pferd eine meiner Lieblingsfiguren. Auch wenn sie ihn in der deutschen Version einfach \u201ePferd\u201c nannte, gehen die Meinungen dar\u00fcber auseinander, wie sein wirklicher Name lautete. Meine Liebe zu Pferden begann mit \u201ePferd\u201c. Ich\u00a0 mochte es auch, diesen Namen zu sagen. \u201e<strong>Knabstrupper<\/strong>\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Nordamerika sind Knabstrupper <strong>eine relativ junge Pferderasse<\/strong>. Sie wurden hier erst 2002 aus Europa eingef\u00fchrt. Tats\u00e4chlich ist die gesamte Z\u00fcchtung noch relativ jung. Sie wurde 1812 in D\u00e4nemark etabliert. Es begann mit einer Fuchsstute mit Tigerscheckung, die von einem einfarbigen Hengst gedeckt wurde. Die Tigerscheckung des Hengstfohlens, das sie bekam, war sogar noch ausgepr\u00e4gter. Diese Stute und ihr Hengstfohlen wurden wiederum mit zahlreichen anderen Pferden verpaart und hatten unter ihren Nachkommen jede Menge Tigerschecken. <strong>Auf diese Weise entstand eine neue Pferderasse.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_6194\" aria-describedby=\"caption-attachment-6194\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6194\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-2-217x300.jpg\" alt=\"Foto mit freundlicher Genehmigung von Wikipedia.com.\" width=\"217\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-2-217x300.jpg 217w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-2-9x12.jpg 9w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-2.jpg 625w\" sizes=\"(max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6194\" class=\"wp-caption-text\">Foto mit freundlicher Genehmigung von Wikipedia.com.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Innerhalb der letzten f\u00fcnfzig Jahre hat die Verpaarung mit anderen Pferderassen, vor allem mit Appaloosas,\u00a0 ironischerweise dazu gef\u00fchrt, dass es schwer zu ermitteln ist, <strong>ob es \u00fcberhaupt noch reingezogene Knabstrupper gibt<\/strong>. In der Mitte der 1990er Jahre waren sie kurz davor, auszusterben. Damals machten sich drei Appaloosa Hengste auf die Reise nach D\u00e4nemark, um neues Blut in die Rasse zu bringen. Der amerikanische Zweig der Knabstrupper geht wiederum auf drei Ausnahme-Appaloosastuten zur\u00fcck, die mittels Gefriersperma mit dem Knabstrupper Verbandspr\u00e4mienhengst Apollon verpaart wurden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der sehr eng verwandte amerikanische Appaloosa entwickelte sich direkt aus dem getigerten spanischen Pferd, das im fr\u00fchen 15ten Jahrhundert durch Cort\u00e9s aus Spanien nach Amerika gelangte. Obwohl sich die Muster der Tigerscheckung sehr \u00e4hneln und auf den gleichen Farbgenen beruhen, <strong>entwickelten sich die beiden Rassen ganz unabh\u00e4ngig voneinander<\/strong>. Eine Stute, die nur getigerte Fohlen hatte, war ma\u00dfgeblich an der Festlegung des Rassestandards beteiligt. Ihre Nachkommen waren allesamt feurig und kraftvoll, aber nicht hei\u00dfbl\u00fctig. Sie wiesen keine Verhaltensstereotypien wie Koppen oder Weben auf. Sie wurden normalerweise nicht im Stall gehalten, was f\u00fcr ihre Robustheit und ihre Ausdauer sprach. Sie erreichten alle ein hohes Alter. Das ist nat\u00fcrlich mit dem richtigen Management auch heute noch m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Obwohl Knabstrupper h\u00e4ufig beim Milit\u00e4r eingesetzt und von d\u00e4nischen Offizieren im Schleswiger Krieg von 1848 \u2013 1850 geritten wurden, stellten sie durch ihre auff\u00e4llige Erscheinung ausgezeichnete Zielscheiben dar. <strong>Die weitere Fortf\u00fchrung der Zucht war daher nach den 1870er Jahren schwierig<\/strong>, da die Zahl der Knabstrupper so gering und die Inzuchtproblematik gro\u00df war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bereits damals gab es mehrere Versuche, die Zucht wiederzubeleben, doch es dauerte bis zum Jahr 1971, dass die drei Appaloosas nach D\u00e4nemark gelangten <strong>und\u00a0 der Rasse der Knabstrupper\u00a0 neues Blut zugef\u00fchrt wurde.<\/strong>\u00a0 Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Knabstrupper Verband \u00a0(Knabstrupperforeningen for Danmark) gegr\u00fcndet und jedes Pferd mit Punkten oder einer \u00e4hnlichen Scheckung wurde registriert. Als Deckhengste wurden nur Hengste mit Tigerscheckung zugelassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Entwicklung dreier unterschiedlicher Typen des Knabstruppers:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Der Sportpferdetyp<\/strong> \u2013 er wurde f\u00fcr Dressur, Vielseitigkeit und Springen gez\u00fcchtet und mit Trakehnern und D\u00e4nischem Warmblut gekreuzt, Stockma\u00df zwischen 1,54 und 1,60 m.<\/li>\n<li><strong>Der barocke Typ<\/strong> \u2013 er ist k\u00fcrzer und kompakter und wird im Fahrsport oder Milit\u00e4rdienst eingesetzt, auch im Zirkus war er beliebt und sah dem Pferd von Pipi Langstrumpf am \u00e4hnlichsten. Stockma\u00df zwischen 1,44 und 1,54 m.<\/li>\n<li><strong>Der Ponytyp<\/strong> \u2013 kleiner und vor allem in Europa beliebt bei Kindern, Stockma\u00df unter 1,44m, durch entsprechende Verpaarungen sogar in Shetlandponygr\u00f6\u00dfe mit \u201eKnabstrupperdesign\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<figure id=\"attachment_6195\" aria-describedby=\"caption-attachment-6195\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6195\" src=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-3-300x150.jpg\" alt=\"Fotos mit freundlicher Genehmigung von: www.knabstrupp.com; www.ovalong-equine.com; www.horseandman.com.\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-3-300x150.jpg 300w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-3-18x9.jpg 18w, https:\/\/schleese-sattel.de\/wp-content\/uploads\/Imagen-3.jpg 690w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6195\" class=\"wp-caption-text\">Fotos mit freundlicher Genehmigung von: www.knabstrupp.com; www.ovalong-equine.com; www.horseandman.com.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Tigerscheckung ist schwer zu kontrollieren. Es gibt keine Garantie daf\u00fcr, dass bei einer Verpaarung von zwei Pferden mit Tigerscheckung ein Fohlen mit Tigerscheckung entsteht. <strong>Der Genkomplex der Volltigerscheckung ist rezessiv und mit angeborener Nachtblindheit gekoppelt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die <strong>h\u00e4ufigsten Farben der Knabstrupper in Deutschland<\/strong> sind:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Volltiger<\/strong>: ein wei\u00dfes Pferd mit gleichm\u00e4\u00dfig verteilten Punkten<\/li>\n<li><strong>Fast Volltiger<\/strong>: wie 1, aber mit einfarbigem Kopf und Beinen<\/li>\n<li><strong>Schabracktiger<\/strong>: \u00fcberwiegend einfarbig, aber mit wei\u00dfer, getigerter Hinterhand und -beinen<\/li>\n<li><strong>Schneeflockentiger<\/strong>: einfarbig mit wei\u00dfer Tigerscheckung \u00fcber den ganzen K\u00f6rper<\/li>\n<li><strong>Wei\u00dfgeboren<\/strong>: das Pferd wird wei\u00df geboren und ist starker Vererber der Tigerscheckung<\/li>\n<li><strong>Einfarbig:<\/strong> Einfarbig geborene Pferde, die das Gen der Tigerscheckung in sich tragen<\/li>\n<li><strong>Schattenzeichung<\/strong>: Wei\u00dfe Grundfarbe und dunkle Partien an H\u00fcfte, Beinen und Kopf<\/li>\n<li><strong>Stichelhaar<\/strong>: mit dunkler Grundfarbe geboren und mit zunehmendem Alter auf dem ganzen K\u00f6rper helles Stichelhaar<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Knabstrupper haben ausdrucksvolle Gesichter und gut proportionierte H\u00e4lse, lange und schr\u00e4ge Schultern, kr\u00e4ftige R\u00fccken,\u00a0 kurze, muskelbepackte Kruppen und kr\u00e4ftige Gelenke und Gliedma\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Tigerscheckung war schon vor fast 5500 Jahre, also zu Beginn der Domestizierung von Pferden, als Farbe sehr beliebt. Die Pferdedarstellung \u201eGepunktete Pferde\u201c in der H\u00f6hle von Pech Merle nahe Cabreret in Frankreich ist etwa 25.000 Jahre alt und zeigt wei\u00dfe Pferde mit dunklen Punkten. Die Fellzeichnung der Pferde aus der H\u00f6hlenmalerei sind dem, das wir als Tigerscheckung kennen, bemerkenswert \u00e4hnlich, auch wenn wir vielleicht dachten, dass diese Fellzeichnung nur in der heutigen Zeit vorkommt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wechselnde Geschm\u00e4cker und Moden und wiederholte Kreuzungen zwischen Wild- und Hauspferden <strong>vergr\u00f6\u00dferte die genetische Diversit\u00e4t erheblich.<\/strong> Etwa 2000 v.Chr. verschwand die Tigerscheckung jedoch fast vollst\u00e4ndig von der Bildfl\u00e4che. Vielleicht lag das an der angeborenen Nachtblindheit, die an die Tigerscheckung gekoppelt ist. <strong>Die F\u00e4higkeit, nachts sehen zu k\u00f6nnen, ist f\u00fcr Wildpferde lebensnotwendig<\/strong>, um sich zu orientieren und zu kommunizieren, um Futter zu finden und Raubtiere zu erkennen. Also waren ihre Chancen, nachtblind zu \u00fcberleben, relativ gering. Selbst nach der Domestizierung werden nachtblinde Pferde als sch\u00fcchtern und unruhig beschrieben und der Umgang mit ihnen soll in der Dunkelheit schwierig sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Tigerscheckung erfuhr im Mittelalter ein Comeback.<\/strong> Auf Bildern aus dieser Zeit ist sie h\u00e4ufig zu sehen. In Adelskreisen waren Tigerschecken sehr beliebt und galten als Symbol der Reinheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zuf\u00e4llig sahen wir neulich auf einem Dressurturnier eines dieser wundersch\u00f6nen und auff\u00e4lligen Pferde, und ein paar Wochen sp\u00e4ter sahen wir ihn wieder \u2013 auf einem Vielseitigkeitsturnier. Wie sich herausstellte, war es die gleiche Reiterin. Sie erz\u00e4hlte uns, dass sie dressurbegeistert sei, aber <strong>wegen ihres Pferdes auch <a href=\"https:\/\/schleese-sattel.de\/en\/sattel\/vielseitigkeitssattel\/remonte\/\">Allround<\/a> reitet, da er es liebt, zu springen<\/strong>. Sie liebte ihr Pferd zutiefst und lobte sein Temperament, seine Ausdauer und seine Arbeitseinstellung in den h\u00f6chsten T\u00f6nen. Nat\u00fcrlich geht das vielen Pferdebesitzern so. Bei diesen beiden war es aber offensichtlich eines der glaubhaftesten Bekenntnisse, die ich je geh\u00f6rt habe, vor allem wenn man bedenkt, um welche Rasse es geht!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6gen Sie immer Punkte vor Ihren Augen sehen! (Waren Sie beim Arzt? Nein, ich sehe nur Punkte!)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitunter nehme ich an den Online-Seminaren der Guelph-University\u00a0 in Pferdewissenschaften teil, um mein Wissen im Pferdesportbereich zu erweitern. Im vergangenen Winter habe ich einen Kurs in Pferdegenetik belegt. Das war eine ziemliche Herausforderung, denn es ist \u00fcber vier Jahrzehnte her, dass ich mein Studium der Biowissenschaften abgeschlossen habe. Es war aber auch hochinteressant. 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