Die Sattelanpassung – eine ultimative Lösung?

von Redaktion

Die Sattelanpassung – eine ultimative Lösung?

von Redaktion

Die Sattelanpassung und die ultimative Lösung

 

Mir ist klar, dass wir in einer Welt leben, in der sofort alles belohnt werden muss und in der man glaubt, einen Anspruch auf schnelle Lösungen zu haben. Konsumgüter werden eher weggeworfen, als dass man die notwendigen Reparaturen oder Anpassungen machen lässt, damit sie wieder funktionieren. Ich habe es verstanden, es ist einfach ein Zeichen der Zeit, und zwar auf der ganzen Welt. Vor allem aber vielleicht in der Reitsportindustrie. Ich denke  hier an Besitzer, Reiter, Ausbilder, die gerade viel Geld für ein Pferd und den passenden Sattel ausgegeben haben. Vielleicht haben sie schon vorher Geld für Sättel ausgegeben und viele unterschiedliche Versuche unternommen, um einen zu finden, der passt und währenddessen wurden Schäden am Pferd verursacht, die einige Zeit brauchen, um zu heilen.

 

Ich hatte einmal eine Kundin, die Probleme hatte, die einigen von Ihnen vielleicht bekannt vorkommen. Ihr Pferd hatte eine alte Verletzung am Widerrist und jeglicher Druck in dieser Region verursachte ihm unglaubliche Schmerzen, die dazu führten, dass er seinen Reiter abbuckelte. Er wurde therapiert und ist inzwischen offensichtlich schmerzfrei, doch sein erlerntes Verhalten besteht nun daraus, nichts auf dem Rücken zu tolerieren. Er buckelt beim Reiten und an der Longe.

Es gibt Wege und Strategien, ihn zu desensibilisieren und neu zu schulen, so dass er versteht, dass der Sattel ihm nicht weh tun wird. Möglicherweise hat er ihn gestört, seit er eingeritten wurde, es ist also eine sehr alte Verletzung. Für ihn ist alles eine Erinnerung an Schmerzen durch den Sattel, der Anbinder und alles Folgende bedeutet für ihn, dass es gleich weh tun wird.

Dr. Joanna Robson, untersucht die Gesundheit der Bänder und anderer Strukturen am Pferdebein. Photo mit freundlicher Genehmigung v. Dr. Robson.

 

Natürlich muss dann ein Tierarzt das betreffende Pferd komplett untersuchen, um sicherzustellen, dass es rundum gesund ist und sowohl u.a. die Bänder und die Hufe in Ordnung sind. Auch Magengeschwüre müssen bei einem Pferd, das so lange Zeit unter Schmerzen litt, ausgeschlossen werden. Und selbst wenn der Rücken gesünder erscheint, so gibt es noch immer ein ungelöstes Problem. Das erlernte Verhalten des Buckelns wird manchmal nicht vollständig gelöscht. Man muss das Vertrauen des Pferdes zunächst vom Boden aus gewinnen, bevor man wieder ans Reiten denken kann.

Ich fühle mit den Schwierigkeiten von Ausbildern in diesem Bereich mit. Nicht mit den wenigen, die ihr Auskommen genauso verdienen wie die Topreiter, aber die vielen anderen, die darum kämpfen müssen, von ihrer Arbeit leben zu können. Für sie ist es ein Vorteil, mit einem Sattelhersteller zusammenarbeiten zu können, der sie dafür belohnt, wenn sie die Sättel an ihre Schüler weiter empfehlen oder –verkaufen. Und dann ist es natürlich schwierig für sie, objektive Empfehlungen auszusprechen.

Die Reitsportindustrie ist bekannt dafür, undurchschaubar und unregulierbar zu sein, auch was reguläre Löhne und wirklichen Nutzen angeht. Sie ist extrem anfällig für die Unwägbarkeiten der Wirtschaft. Mitunter ist es schwer, moralisch einwandfrei zu handeln, wenn es darum geht, zu überleben, aber am Ende kann man nur das tun, von dem man das Gefühl hat, es sei verantwortbar. Vielleicht hat man einen unglücklichen Schüler oder einen möglichen Kunden, der ein Pferd reitet, das überreagiert, weil dieses Pferd mit einem Sattel geritten wird, der nicht passt.

Ein überreagierendes Pferd? Oder ein Pferd, das Schmerzen hat, weil der Sattel schlecht passt? Photo: Shutterstock

 

Es ist wie beim Ei und der Henne. Sollte der Schüler in einen Sattel investieren, obwohl unsicher ist, wie die Zukunft des Pferdes aussehen wird, und andererseits,  wie soll man das Potential eines Pferdes kennen, wenn der Sattel nicht passt?

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Messen und Turniere hinweisen, die nun von einem einzigen Sattelhersteller mit großen Summen exklusiv unterstützt werden, dessen Sättel dann als „offizieller Sattel von …“ vorgestellt werden. Ich finde, dass auf diese Weise den Wettbewerbern und Teilnehmern  geschadet wird, denn der Markt wird künstlich auf einige wenige begrenzt, die die zehntausende von Euros für das Sponsoring bezahlen können. Nur dann werden sie offiziell genannt.  Die Zuschauer bemerken oft gar nicht, dass sie dafür bezahlen, diese wenigen künstlich erschaffenen Begrenzungen auf dem Markt zu unterstützen. Denjenigen, die ihren Sattelhersteller auf der Messe sehen, fällt dies nicht auf oder es ist ihnen egal. Für die restlichen Teilnehmer und Zuschauer stellt es jedoch wahrscheinlich ein Problem dar. Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, dass die Beliebtheit solcher Veranstaltungen in den letzten Jahren stetig abnimmt, oder erinnert sich noch jemand an die Equitana in den USA? In Europa wird sie noch immer als größte Pferde-Einzelhandelsmesse der Welt angekündigt, die zwei Wochen lang den Raum von 17 Gebäuden in Flugzeughangargröße umfasst und viele Shows und Aktivitäten bietet.

Vielleicht sind meine Ausführungen etwas ausgeufert, aber ich wollte in Worte fassen, was mir so durch den Kopf geht- und genau das sollte man in einem Blog ja auch tun, wenn ich das richtig verstehe. Oder nicht? Schreiben Sie mir Ihre Gedanken zu jedem der besprochenen Punkte gerne, ich würde mich freuen!

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