Die Sattelanpassung und die Träumereien einer olympischen Dressurrichterin – Anne Gribbons

von Redaktion

Die Sattelanpassung und die Träumereien einer olympischen Dressurrichterin – Anne Gribbons

von Redaktion

Lets Dance

Vor einiger Zeit hatte die Schleese Sattlerei zusammen mit Saddlefit 4 Life das Vergnügen und die Ehre, die bekannte olympische 5* Dressurrichterin Anne Gribbons, Mitglied des amerikanischen Olympia-Teams und frühere Dressurtrainerin der amerikanischen Mannschaft in unserem Hause in Holland Landing zu Gast zu haben. Anne arbeitete mit Schleese zusammen, um einen Dressur-Sattel zu designen (den „Let`s Dance by Anne Gribbons“). Sie ist vollkommen von unserem Konzept von Saddlefit 4 life überzeugt, den Sattel korrekt an Pferd und Reiter anzupassen, egal um welche Rasse oder Größe und um welchen Körperbau es sich handelt.

Anne nutzte während des Mittagessens die Gelegenheit, der gesamten Belegschaft von Schleese einen Einblick in ihren Beruf als Dressurrichterin und Ausbilderin/ Mannschaftstrainerin zu geben. Sie ist eine charmante und engagierte Sprecherin und wir freuten uns sehr, dass sie sich die Zeit nahm, um die Produktionsstätte der Sättel persönlich anzusehen.

Anne und Jochen besprechen das Design ihres neuen Sattels
Anne und Jochen besprechen das Design ihres neuen Sattels

Sie erzählte uns, dass sie in jüngeren Jahren täglich zwischen 12 und 15 Pferden ritt und sich nie viele Gedanken darüber gemacht hatte, dass sie ein und denselben Sattel für jedes Pferd benutzte. „Ein Sattel ist ein Sattel ist ein Sattel“, war die Philosophie der damaligen Zeit. Jetzt, wo sie eng mit den amerikanischen Topreitern zusammenarbeitet, ist ihr bewusst, wie sehr sich die Zeiten geändert haben und wie sehr es nun um den Sattel als Teil des Gesamtpaketes geht. Nach der Lektüre von Jochens Buch „The Silent Killer“ war ihr bewusst geworden, was sie alles nicht wusste. Und nachdem sie unsere Anlage besucht und sich mit den Handwerkern unterhalten hatte, bekannte sie, dass sie immer noch viel zu lernen hat. Sie ist wirklich einer der bescheidensten und zurückhaltendsten Menschen, den wir je kennenlernen durften.

Beim Training mit anderen Reitern fiel ihr auf, wie starrsinnig Reiter sich in Bezug auf ihre Sättel oft verhalten, meistens ohne überhaupt zu verstehen, warum sie ihren Sattel gut finden. Berufsreiter müssen so ziemlich in jedem Sattel reiten und lernen, sich damit abzufinden, da die Pferde, die sie ausbilden, normalerweise ihre eigenen Sättel mitbringen. Was sie an Schleese mag, ist, dass wir unsere Sättel an Pferd UND Reiter anpassen. Für die Reitsportindustrie ist das die Zukunft.

Frage: Wie ist es, ein olympischer Richter zu sein?

“Weltweit gibt es nur etwa dreißig 5*Dressurrichter, die von der FEI in Lausanne in der Schweiz berufen wurden. Diese Dreißig haben ihre Verpflichtungen erfüllt und haben sich im Ranking hochgearbeitet. In den USA gibt es drei, in Kanada zwei (Libby McMullen und Cara Whitham). Die Arbeit ist extrem anspruchsvoll. Das hat sich noch einmal dadurch verstärkt, dass in den letzten Jahren alles hochtechnisiert und sehr viel teurer geworden ist, auch die Pferde und die Sättel. Richter stehen nicht nur durch die Ausbilder und die Teilnehmer unter einem hohen Druck. Auch die Medien üben Druck aus. Die Arbeit ist kompliziert, wenn man alle zufriedenstellen möchte.“

Sie machte noch einmal deutlich: Wenn dein Pferd einen schlechten Tag hat, ist der Tag für dich gelaufen. Läuft ein Ritt dagegen gut, ist auch der Tag wundervoll.

Frage: Vor dreißig oder vierzig Jahren war eine Wertnote von 60 % bereits fantastisch. Inzwischen müssen es 80 Prozent sein. Was ist da passiert?

Das liegt vor allem an zwei Dingen. Erstens war es sehr schwer, eine gute Wertnote zu erreiten, weil Dressur auf unserem Kontinent etwas relativ Neues war und wir schon aufgeregt gewesen sind, wenn wir in einer FEI Prüfung 60 Prozent erreichen konnten. Mit der Zeit erreichten wir wesentlich höhere Wertnoten, weil unsere Pferde und unsere Ausbildung besser wurden. Die Pferde wurden speziell für bestimmte Belange gezüchtet, sie sind sportlicher, empfindsamer und zeigen einfach bessere Leistungen. Die Reiter sind besser geschult und erfahrener und es gibt bessere Ausbilder in Nordamerika.

Früher mussten wir über einen längeren Zeitraum nach Europa gehen  und dort mit den Meistern arbeiten, um weiterzukommen. Diejenigen von uns, die das gemacht hatten, konnten dann die Ausbilder hier unterrichten. Es ist zwar immer noch so, dass unsere Reiter nach Europa gehen, um dort an Turnieren teilzunehmen, aber sie brauchen dort nicht mehr Monate oder Jahre lang leben. Es gibt dort überall und an jedem Wochenende Turniere. In Deutschland ist Reiten nach Fußball die wichtigste Sportart, aber auch in Nordamerika wird sie populärer und wir haben große Fortschritte gemacht. Alles hängt davon ab, dass man auf jedem Level mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten kann.“

Frage: Ist es jetzt schwieriger, als Richterin zu arbeiten, verglichen damit, wie es vor ungefähr zwanzig Jahren war?

“Ja, es ist härter, weil wir hart kritisiert werden, wenn die “richtige” Person nicht gewinnt. Es gibt nur wenige, die sich bedanken. Die Presse ist stärker beteiligt, auch sie hat ihre Favoriten, und wenn die nicht gewinnen, muss man auf der Hut sein. Es wäre gut, wenn sie bei uns sitzen könnten, während wir richten, und wenn sie sehen könnten, was wir machen. Es ist sehr schwierig, eine Bewegung schnell, korrekt und objektiv zu benoten, vor allem, wenn  man sie nur aus einem Winkel sieht. Man kann die Piaffe oder Galoppwechsel zum Beispiel gerade auf sich zu kommend betrachten, und es  sieht toll aus, aber von dort aus, wo man sitzt, sieht man nicht, was die Hinterhand tut. Dann gibt der eine Richter eine 8 für die Bewegung, ein anderer aber eine 5. Und dann müssen alle gesammelten Bemerkungen und Noten vollständig sein, bevor Pferd und Reiter das Viereck verlassen und die nächsten es betreten.“

 

Anne Gribbons hört zu und beantwortet die Fragen der Schleese Belegschaft
Anne Gribbons hört zu und beantwortet die Fragen der Schleese Belegschaft

Frage: Wie ist der derzeitige Stand hinsichtlich der Hyperflexion oder Rollkur?

“In Amerika war es beim Training oder auf den Abreiteplätzen, die ich gesehen habe, kein vorrangiges Problem. Ich musste meine Schüler noch nie darauf ansprechen, weil sie ihre Pferde beim Warmreiten oder als Übung in der Ausbildung nicht extrem lang in dieser Position geritten haben. Mitunter hat man ein Pferd, das sich auf der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn bewegt. Solch ein Pferd kann von einigen Momenten der Hyperflexion durchaus profitieren. Und dann haben die Medien diese wenigen Augenblicke eingefangen und blasen sie unverhältnismäßig und aus dem Kontext gerissen auf. Die Aufsicht bei den Turnieren ist sehr streng und sorgt für das Wohlergehen der Pferde. Wenn die Hyperflexion allerdings zu einer normalen Ausbildungsmethode wird, die man bei allen Pferden anwendet,  ist das ein Problem. Es macht Jungpferde unglücklich und entmutigt sie. Ich kann Ihnen versichern, dass sich die Richter dieses Problems überbewusst sind und dass es auf jedem FEI Richterforum besprochen wird. Wir müssen Reiter dahingehend schulen, dass sie verstehen, warum Hyperflexion die Oberlinie von Pferden ruiniert und ihren Geist zugrunde richtet.“

Frage: Was ist Ihre größte Errungenschaft, was machen Sie am liebsten?

“Am liebsten begleite ich den Ausbildungsprozess eines rohen Jungpferdes bis zum Grand Prix. Das macht mir von allem am meisten Spaß! Und am zweitliebsten begleite ich die gleiche Entwicklung beim Reiter, von einem unerfahrenen Reiter hin zu einem guten Grand Prix Reiter. Ein guter Tag ist für mich ein Tag, an dem der Unterricht gut läuft.

Ich habe mich außerdem wahnsinnig gefreut, dass alles gut lief, als ich die US Reiter coachen durfte, so wie bei den 2010 Weltmeisterschaften und den PanAms in Mexico, als die US Reiter alle Medaillen gewannen.
Jeden Tag reiten zu können, wäre für mich ideal. Ich werde tatsächlich eifersüchtig, wenn ich Schüler unterrichte und aus irgendeinem Grund nicht selbst reiten kann. Reiten ist mein Leben und ich bin so dankbar, einen Mann wie David zu haben, der mich bei allem, was ich tue, unterstützt.“

Danke, Anne. Wir freuen uns darauf, was die Zukunft bringt!

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