Die Sattelpassform und der Sattelbaum

von Redaktion

Die Sattelpassform und der Sattelbaum

von Redaktion

Sattelbaum

selbst in früheren Zeiten war den Sattelbauern klar, dass Sattelbäume gebraucht wurden, die angemessen passten und mit einer großen Gewicht tragenden Fläche in der Mitte konstruiert waren, so wie bei diesem Sattel oben.

Ich werde oft nach meiner Meinung zu den letzten und neuesten Sattelmodellen auf dem Markt gefragt. Natürlich muss ich sehr vorsichtig mit dem sein, was ich dann sage. Meine Kommentare werden weitergegeben und landen am Ende vielleicht beim Sattelhersteller, der sie womöglich als Verleumdung oder Diffamierung missversteht. Das ist niemals meine Absicht. Allerdings glaube ich, dass meine Meinung nach mehr als 35 Jahren Erfahrung und ständiger und unerbittlicher professioneller Weiterentwicklung ganz klar von Nutzen sein kann. Wenn man also die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Sättel auf dem Markt diskutieren und dabei keine bestimmten Marken, Modelle oder Satteldesigns erwähnen möchte, ist es in meinen Augen am besten, sich den Kern des Sattels anzusehen, und das ist der Sattelbaum. Der Sattelbaum, oder sein Fehlen, ist die Grundlage aller Sättel.
Die Geschichte des Sattelbaus zeigt, dass Sattelbäume 4300 Jahre lang beinahe unverändert aussahen. Sehr lange Zeit war das Pferd für die Menschheit unverzichtbar und es war daher äußerst wichtig, dass es gesund und fit blieb, um die Bedürfnisse des Menschen erfüllen zu können. Pferde waren ein Vermögenswert und wurden weniger als heute im Sport eingesetzt oder als austauschbares Konsumgut oder Wegwerfartikel betrachtet.

Die Sattelunterstützungsfläche, die ideale Gewichtsverteilung ist in Prozent angegeben

Als das Pferd vermehrt im Sport eingesetzt wurde und die Menschen sogar begannen, Pferde zur Selbstdarstellung zu benutzen, veränderte sich das Satteldesign. Die Sättel wurden auf die unterschiedlichen Sportarten abgestimmt, in denen Pferde antraten. Reiter, die auf einen Vorteil im Wettbewerb aus waren oder die den gleichen Sattel benutzen wollten, den ein Topreiter empfahl, wurden von der Reitsportindustrie bedient. In den unterschiedlichen Disziplinen im englischen und im Westernreiten wurden Sättel nun auch unterschiedlich designt.
Alle Sattelbäume sollten dennoch ein gemeinsames Ziel haben. Sie sollten den Widerrist überbrücken, das Gewicht verteilen und den Reiter ins Gleichgewicht setzen. Die meisten Pferde haben auf beiden Seiten der Wirbelsäule eine zehn Zentimeter breite und etwa vierzig Zentimeter lange Sattelunterstützungsfläche. Stellen Sie sich vor, dass Sie diese Fläche auf jeder Seite in drei gleiche Teile unterteilen. Der Baum ist so konstruiert, dass im vorderen und hinteren Teil jeweils dreißig Prozent des Gewichts von Sattel und Reiter getragen werden und im mittleren Teil vierzig Prozent.
Die Sattelbäume von Armee- und Westernsätteln sind sehr groß. Sie verteilen das Reitergewicht auf einer großen Fläche, da die Reiter viel Zeit im Sattel verbringen. Diese Sattelbäume haben hinten und vorne längere Trachten, damit zusätzliches Gewicht oder Ausrüstung transportiert werden kann, wenn das erforderlich ist.
Das Pferd versammelt sich kaum, es läuft nicht “rund” wie ein Spring- oder Dressurpferd. Der Reiter sitzt in der Mitte oder am hinteren Ende des Sattels auf der relativ großen Sattelunterstützungsfläche. Je länger der Reiter im Sattel sitzen muss, desto breiter muss der Sattelbaum in der Mitte sein. Das ist notwendig, damit das Pferd den Baum anheben kann. Es hebt dann seinen mittleren Rücken an und der Sattelbaum hebt sich von der Mitte bis zu den Schultern und zur hinteren Sattelbaumregion im Bereich der Pferdelende.

 

Der Sattelbaum von Rennsätteln ist das genaue Gegenteil eines Westernsattelbaums. Er hat eine winzige Sattelunterstützungsfläche. Er ist sehr eng oder endet in der Mitte, da der Jockey nie wirklich auf dem Pferderücken sitzt. Anders als in allen anderen Reitsportdisziplinen geht es im Rennsport um Schnelligkeit und Ausdauer. Der Reiter sitzt beim Reiten in dieser Disziplin nicht im Sattel, um den Pferderücken zu aktivieren, sondern steht stattdessen meist in den Bügeln. Die Bügelriemen, die das Gewicht tragen, hängen an den Sturzfedern/am Kopfeisen, an einem halben oder ganzen Baum, am Trainings- oder Rennsattelbaum. Der Jockey steht im Training einen kurzen Moment lang auf dem Pferderücken, im Rennen sogar noch kürzer.

Der englische Baum von Sportsätteln ist im Gegensatz zu Sattelbäumen von Rennsätteln dafür gedacht, das Pferd zu trainieren, während man im Sattel sitzt. Im Training geht es darum, durch die Aktivierung des Pferderückens das Gewicht des Pferdes vermehrt von der Vor- auf die Hinterhand zu verlagern. Das erfordert einiges an reiterlichem Geschick. Man muss sowohl genug Kontakt mit dem Sitz machen, als auch leicht genug sitzen, so dass das Pferd in der Lage ist, seinen Rücken anzuheben. Hebt das Pferd seinen Rücken in der Mitte unter dem Sattelbaum an, kann es sein Becken kippen und die Hinterhand kann vermehrt unter den Schwerpunkt treten. Auf diese Weise trägt das Pferd mehr Last mit der Hinterhand und das Gewicht oder der Druck auf die Vorhand nimmt ab. Wenn Sie sich den Pferderücken einmal genauer ansehen, werden Sie feststellen, dass er dort, wo der Sattel sitzt, relative gerade verläuft. Die Mehrheit der englischen Sättel hat einen stärkeren Schwung im hinteren Bereich. Je breiter der Baum in der Mitte oder je ausgeprägter der Schwung ist, desto weniger Druck wird auf die Pferdeschulter und die –lende ausgeübt. Ist der Baum in der Mitte eng oder ist er am Ende gerader, kommt es zu verstärkter Hitze und Druck im Schulterbereich.

Links: Korrekter englischer Baum mit Schwung. Rechts: Angemessene Schulterfreiheit mit korrektem Winkel


Links: Angemessene Lendenfreiheit, die die Aktivierung des Rückens ermöglicht und in der mittleren Region (rechts) genügend Unterstützung bietet, damit das Pferd den Rücken aufwölben und den Baum anheben kann

Einige Sattelhersteller haben sich dieser Tage reichlich willkürliche Sattelkonstruktionen ausgedacht, die irreführend beworben werden und denen ganz offensichtlich Missverständnisse hinsichtlich der Biomechanik von Pferden zugrunde liegen. Einige Satteldesigner oder –anpasser missverstehen das wesentliche Prinzip, dass der Sattelbaum in der Mitte weit sein und einen leichten Schwung haben muss. Diese Form der Sattelkonstruktion gibt es nun seit über 4300 Jahren. Wenn der Pferderücken sich nach oben und unten bewegt, ist der geringere Druck auf dem vorderen und hinteren Drittel. Bei manchen Sattelkonstruktionen befindet sich im ersten Drittel viel Fläche, wenig in der Mitte und etwas mehr hinten. Die Verteilung liegt bei 50/20/30 %.

Dieser Baum ist zu gerade und hohl in der Mitte. Hier ist das notwendige Anheben des Baums in der Bewegung nicht möglich.

Bei einigen Sätteln wird durch eine Art „Stütze“ versucht, den Sattelbaum im vorderen und hinteren Bereich in der Schwebe zu halten, während die mittlere Region fast keine Sattelunterstützungsfläche hat. Man findet häufig Muskelatrophien und weiße Haare auf dem vorderen oder hinteren Pferderücken, selten in der Mitte. In der Mitte des Pferderückens findet man die weißen Haare nur dann, wenn das Pferd über einen längeren Zeitraum mit einem baumlosen Sattel geritten wurde. Es gibt zwar eine Menge wissenschaftlich basierter diagnostischer Werkzeuge wie Fiberoptik-Kameras, Herzfrequenzmessegräte, Thermographie, Computersattelpads, doch diejenigen, die Sättel entwerfen, zweifeln die Informationen, die uns diese Geräte geben, häufig an, einfach aus ihrer persönlichen Meinung und aus Vorurteilen heraus. Vielleiht fehlt es ihnen an der nötigen Integrität und sie haben eher das Geldverdienen im Sinn, und wenn sie darüber nachdenken, welche Sättel sie verkaufen wollen, lassen sie sich eher von der Überlegung leiten, was gut für ihren Geldbeutel ist, als davon, was gut fürs
Ich hoffe, dass meine vielen Artikel und Videos zusammen mit den Informationen aus meinem Buch Sie dabei unterstützen, sich Ihre eigene Meinung zu bilden und sich sorgfältig zu informieren und die infrage kommenden Sättel zu prüfen und anpassen zu lassen, um Ihr Pferd vor Langzeitschäden im Rücken zu bewahren.

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