Die Sattelpassform und der Twist – Sättel für Frauen und Männer

von Redaktion

Die Sattelpassform und der Twist – Sättel für Frauen und Männer

von Redaktion

Die Sattelpassform und der Twist – Sättel für Frauen und Männer

Ich glaube, dass der Twist der Teil des Sattels ist, der am wenigsten verstanden wird. Meist geht damit die Vorstellung einher, dass ein Pferd mit einem breiten Rücken auch einen Sattel mit einem breiten Twist braucht. Das Ergebnis ist, dass vor allem Frauen beim Reiten das Gefühl haben, dass ihre Hüften auseinander gedrückt werden. Natürlich kann man alle möglichen Yoga-Übungen machen, die dabei helfen, die Schmerzen, die man in solch einem Sattel hat, zu überwinden, aber…
Das ist absolut nicht nötig. Unglücklicherweise scheint so ziemlich jedes Land, jeder Sattelhersteller und jeder Reiter eigene Ideen davon zu haben, was der Twist eigentlich ist und wo auf dem Sattel man ihn findet. Natürlich benötigt jede Reitsportdisziplin unterschiedliche Balancepunkte und der Reiter wird je nach Disziplin anders im Sattel positioniert. Doch auch wenn man das berücksichtigt, kann man einen korrekten Twist für einen speziellen Reiter ermitteln.

Bezugspunkte des Sattels

Region #1 stellt die Taille des Sattels dar. Die Nähte können nach Belieben variiert werden. In der Mitte des Sattels, in Region #2, liegt die tatsächliche Position des Twists, das, was die Reiterin zwischen ihren oberen Innenschenkeln fühlt. Sie sollte eine vollkommen gleichmäßige Druckverteilung zwischen den oberen Innenschenkeln und der Schrittpartie wahrnehmen. Wenn der Sattel hier nicht passt, werden Knie und Füße nach außen gedreht, statt gerade nach unten hängen zu können. Die Oberschenkel werden sich anfühlen, als würden sie auseinander gedrückt und die Hüften schmerzen.
Das andere Extrem in dieser Region führt zu dem Gefühl, dass es nur sehr wenig Kontakt zwischen den oberen Innenschenkeln und dem Sattel gibt, fast als ob man auf einem Tipi sitzen würde. Region #3 stellt die Sitzbreite dar, und Region #4 die Sitzunterstützung, die umfangreich genug sein sollte, um die Gesäßmuskulatur des Reiters zu unterstützen, aber nicht zu üppig, um die Reiter nicht dazu zu zwingen, ins Hohlkreuz zu gehen.
Es gibt eine sehr einleuchtende Definition für den Twist. Der Twist ist faktisch der Teil des Sattel(-baums), den man zwischen den oberen Innenschenkeln fühlt. Das ist alles. Er hat nichts mit der Naht auf dem Sattel zu tun, der nur eine optische Illusion darstellt, die man, ganz nach Gusto des jeweiligen Sattlers, jederzeit breiter oder enger gestalten könnte. Sie beeinflusst in keinster Weise, was Sie fühlen. Man kann sehr eng zusammenliegende Nähte bei einem weiten Twist haben, oder auch umgekehrt.
Der Twist eines Sattels ist grundlegend wichtig, wenn man herausfinden will, ob das Gefühl des „Auseinander-gedrückt-werdens“ aufkommt. Wegen der Struktur des weiblichen Beckens und der umliegenden Muskulatur brauchen die meisten Frauen einen recht engen Twist in der Form eines umgekehrten U. Da die weibliche Muskulatur in diesem Bereich runder ist (Quadriceps und Glutaeus), ist auch weniger Platz in der oberen Innenschenkelregion als beim Mann, dessen Muskulatur hier viel flacher und eher vorne und hinten angelegt ist, statt seitlich, wie bei der Frau. Auch das weibliche Hüftgelenk sieht anders aus als das männliche, was je nach Sitzfläche des Sattels zu Hüftschmerzen führen kann.

Frauen haben häufig das Gefühl, dass ihre Hüften auseinander gedrückt werden, wenn der Twist zu breit für sie ist. Vor allem für Dressurreiterinnen ist es wichtig, einen Sattel zu haben, der die weibliche Anatomie unterstützt, da man beim Dressurreiten viel im Sattel sitzt, außer beim Leichttraben. Selbst bei einem Pferd mit sehr breitem Rücken kann der Twist so eng gestaltet werden, wie Sie es möchten oder brauchen. Das hat nichts damit zu tun, wie er auf den Pferderücken passt, was natürlich auch grundlegend wichtig ist, um die Rückengesundheit Ihres Partners zu gewährleisten.
Die Unterseite des Sattels (Kissen und Kissenkanal) wird so gestaltet, dass sie zum Pferderücken passt. Wenn Sie einen Sattelhersteller haben, der weiß, was er tut und sowohl das Pferd als auch den Reiter berücksichtigt, können Sie beides haben. Sie können absolut ein Pferd mit breitem Rücken haben, das die anatomischen Anforderungen des Reiters nicht beeinträchtigt, wenn der Sattler von Anfang an in die Sattelkonstruktion involviert ist und sowohl die Bedürfnisse der Reiterin, als auch die dreidimensionale Rückenform des Pferdes kennt.
Der Sattelbau hat eine lange Geschichte hinter sich. Er hat sich weiterentwickelt und kommt nun einerseits den neuen demographischen (es gibt weniger Reiter als Reiterinnen) Bedürfnissen der Reitsportindustrie entgegen, während er andererseits immer noch in der Lage ist, dem Pferd korrekt zu passen. Sie können beides haben! Ich höre noch viel zu häufig Sätze wie „ Es macht mir nichts aus, dass mein Sattel mir nicht passt, solange er für mein Pferd bequem ist.“ ABER: Wenn Sie sich in Ihrem Sattel unwohl fühlen, wird sich Ihr Unbehagen aufs Pferd übertragen und es wird niemals die Leistung erbringen, die es erbringen könnte, egal, wie gut der Sattel ihm passt. Wie es so schön in der Werbung heißt, „Weil Sie es sich wert sind“. Oder sind Sie es sich nicht wert? Sind Sie es sich nicht schuldig, Ihre eigenen Bedürfnisse im Sattel zu erkennen und zu erfüllen?

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