Sattelanpassung und der Preis der Fürsorge

von Redaktion

Sattelanpassung und der Preis der Fürsorge

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Sattelanpassung und der Preis der Fürsorge

Sattelanpassung und der Preis der Fürsorge

Jochen Schleese

Wir sollten der Tatsache ins Auge sehen, dass Reiten ein sehr kostspieliges Hobby ist. Zwar gibt es wunderbare Pferde, die für wenig Geld oder eine Schutzgebühr abgegeben werden. Die täglichen Kosten und andere gelegentlich anfallende Ausgaben neigen jedoch  leider dazu, sich erheblich zu summieren. Obwohl einige davon durch die persönlichen Umstände etwas verringert werden können, muss irgendjemand für sie aufkommen. Da sind zum Beispiel das Futter, die Ergänzungsfuttermittel wie zum Beispiel Mineralstoffe, das Misten von Stall und Weide, die Instandhaltung des Stalles, die Stallmiete, Hufpflege, Entwurmung, Zahnpflege, Impfungen, Bluttests (Coggins), Versicherung, Physiotherapie, Ausrüstung und Sattelzeug, Pflegemittel für die Ausrüstung, Reitunterricht, Ausbildung, Mitgliedsbeiträge im Reitverein, Turniergebühren oder –eintritt, Kosten für Pferdehängerkauf oder –miete, Unterbringung auf Turnieren für Pferd und Reiter, habe ich etwas vergessen?

Manche dieser Kosten werden durch die Arbeit von Spezialisten verursacht. Da ist der Hufschmied für die Hufpflege, der Tierarzt fürs Entwurmen, die Zahnpflege, Impfungen oder Vorsorge, (ganz zu schweigen davon, wenn es zu Verletzungen oder Krankheiten kommt), Körperarbeit durch Osteopathen, Chiropraktiker, Physiotherapeuten und andere, Reitlehrer oder Ausbilder für Reitstunden und professionelles Training und schließlich natürlich auch Ihr professioneller Sattelanpasser und Sattler, der dafür sorgt, das Ihre Ausrüstung erhalten bleibt und Ihnen und Ihrem Pferd weiterhin gut passt.

 

Sattelanpassung und der Preis der Fürsorge
Oben links: Akupunkturbehandlung durch Dr. Joanna Robson (Foto mit freundlicher Genehmigung von Dr. Joanna Robson); Oben Mitte: Tierarzt gibt eine IM-Injektion; Oben rechts: Tierarzt bei der Zahnbehandlung; Unten links: Schmied nagelt Hufeisen auf; Unten Mitte: Pferdemassagetherapeutin bei der Behandlung; Unten rechts: Entwurmung ( alle Fotos außer oben links: Internet)

 

Manchmal läuft es trotz der Bemühungen Ihrer Spezialisten nicht so rund, wie Sie es sich erhoffen. Vielleicht hat Ihr Tierarzt es nicht geschafft, ein Pferd mit einer Kolik zu retten. Oder Ihr Schmied hat das Problem ungleich hoher Hufe (low heel/high heel syndrome) nicht wirklich zufriedenstellend lösen können, oder es gibt andere Probleme, die zu einer möglichen Lahmheit führen könnten. Vielleicht gelingt es Ihrem Ausbilder nicht, Sie so weit zu fördern, dass Sie in einer höheren Klasse starten können. Oder Ihr Sattelanpasser schafft es nicht, Ihren Sattel korrekt an Sie oder Ihr Pferd anzupassen. Die allgemein übliche, menschliche Reaktion ist es dann, mit dem Finger auf die zu zeigen, die wir für verantwortlich halten und in einigen Fällen sogar die Rückerstattung von geleisteten Zahlungen zu fordern.

Ich fühle in hohem Maße mit einer Pferdebesitzerin mit, die ihr Pferd verloren hat und dennoch die Tierarztrechnungen bezahlen muss. Und das ist leider genau der Punkt. Wie alle zertifizierten Pferdespezialisten, so gelten auch Tierärzte in ihrem Gebiet als ausgebildete Experten und sind daher berechtigt, die nötigen Gebühren zu erheben, um ihre Arbeit ausüben zu können. Das Zertifikat macht den Unterschied. Oder würden Sie darüber nachdenken, Geld von Ihrem Arzt zurückzufordern, weil er nichts gegen ihre dreiwöchige Grippe unternehmen konnte? Oder von Ihrem Rechtsanwalt, weil er Ihren Prozess verloren hat?

Welche Karriere auch immer man verfolgt, man hat niemals nur altruistische Gründe. Wir alle müssen Geld verdienen, um leben zu können. Ich gehe jede Wette ein, dass ein Rechtsanwalt trotz immenser Honorarforderungen (mitunter 800 Euro pro Stunde) nicht jeden Fall gewinnt, und dass Ärzte nicht jede Krankheit kurieren. Trotzdem bekommen diese Leute unabhängig vom Ergebnis ihr Geld.

Und so ist es auch mit ihren Pferdespezialisten. Zugegeben, nicht jede unserer Sattelanpassungen führt zu einem hundert Prozent passenden Sattel. Trotzdem müssen die Zeit und die Mühe, die man für die Analyse, Evaluation, Konsultation und das daraus resultierende Anpassen aufgewendet hat, entsprechend honoriert werden. Vielen mag es unverständlich erscheinen, dass sie für eine auf ausgebildeter und geschulter Fachkenntnis beruhende Meinung bezahlen und dass es vollkommen an Ihnen liegt, was sie daraus machen.  Niemand, der mit Ihnen einen Termin am Stall macht, kann sich sicher sein, dass Sie am Ende Ihren Sattel anpassen lassen oder einen neuen Sattel erwerben oder daran gehindert werden können, mit den Informationen in den nächsten Reiterladen zu gehen und dort zu kaufen.

Mitunter trifft man sich sogar mit seinen Kunden auf halbem Weg, vor allem, wenn man diese schon lange kennt. Am Ende geht es aber darum, dass wir alle für erbrachte Leistungen entschädigt werden – unabhängig davon, auf welchem Gebiet und was wir tun. Da stimmen Sie doch sicher zu?

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