Sie haben alles in Ihrem Kopf- oder dem Ihres Pferdes…Die korrekte Anpassung eines Kopfstücks (Teil 1)

von Redaktion

Sie haben alles in Ihrem Kopf- oder dem Ihres Pferdes…Die korrekte Anpassung eines Kopfstücks (Teil 1)

von Redaktion

Die korrekte Anpassung eines Kopfstücks
Teile des Kopfstücks
Teile des Kopfstücks

Oben rechts: Genickstück

Oben links: Stirnriemen

Mitte rechts: Kehlriemen

Mitte links oben: Reithalfter

Mitte rechts: Backenstück

Mitte links unten: Nasenriemen

Unten rechts: Kinnriemen

Ganz unten rechts: Hier wird das Gebiss eingeschnallt

Ganz rechts: einfache Trensenzügel

Jochen Schleese

Obwohl viele von Ihnen wissen werden, dass Ihre Trense dem Pferd natürlich korrekt passen muss, sind Sie vielleicht überrascht, zu hören, wie sich ein schlecht angepasstes Kopfstück auf das Pferd auswirkt. In dieser Woche möchte ich einige zentrale Punkte des Pferdekopfes näher erläutern. Im nächsten Blog führe ich das Thema weiter aus und in einem dritten Blog wird es um einige Vor- und Nachteile verschiedener handelsüblicher Zaumzeugtypen gehen. Die Passform des Zaumzeugs ist für das Wohlbefinden und die optimale Leistungsbereitschaft Ihres Pferdes ebenso wichtig wie die des Sattels.

Keine andere Körperregion weist so viele sensible Bereiche auf wie der Kopf. In den letzten Jahren wurden Konstruktionsänderungen an Kopfstücken vorgenommen, um diese ‚anatomisch freundlicher‘ zu gestalten. Sie sorgen entscheidend dafür, dass sich Ihr Pferd mit seinem Kopfstück wohlfühlt. Im und am Kopf verlaufen viele Nerven. Einige entspringen genau in den Regionen, wo das Nasenband oder der Sperrriemen liegen.

Wenn das Zaumzeug zu eng verschnallt wurde, können alle möglichen Verhaltensprobleme auftreten. Das Pferd kann mit dem Kopf schlagen, nicht kauen, eine schlechte Arbeitseinstellung, Bewegungsunlust oder fehlenden Vorwärtsdrang haben. Schauen wir uns daher genauer an, was sich unter der Haut des Pferdekopfes befindet.

Die grobe Anatomie des Kopfes ist bei einem Pferd leicht zu erkennen. Der Schädel wird nur von einer dünnen Hautschicht bedeckt und Venen und Muskeln sind minimal zu sehen. Was man nicht sieht, sind die vielen Nerven und das empfindliche Bindegewebe an den verschiedenen Knochenübergängen. All das macht den Kopf extrem druck- und schmerzempfindlich. Für die Bewegung des Kopfes sorgen das Bindegewebe zwischen den 29 einzelnen Schädelknochen und der Kiefer, der während des Kauens eine Seitwärtsbewegung der Zähne ermöglicht.

Es gibt zahlreiche Nerven, die von der Schädelbasis ausgehen und sich nach oben über den Schädel ausbreiten. Sie verlaufen also häufig genau dort, wo die verschiedenen Teile des Zaumzeugs liegen. Zu starker Druck durch das Zaumzeug kann auch an anderer Stelle Schmerzen verursachen. Die Muskeln können sich verkrampfen und daher nicht arbeiten. Das Bindegewebe zieht sich durch den gesamten Körper. Eine schlecht sitzende Trense kann sogar Probleme bis hinunter zu den Sprunggelenken verursachen – mit Auswirkungen auf die Flexibilität und das Bewegungsausmaß.  Obwohl es leider nur wenige Studien darüber gibt, wie sich ein schlecht passendes Kopfstück auf ein Pferd auswirkt, so werden doch viele Erfahrungsberichte darüber erzählt. Pferde bewegen sich mit einer gut passenden Trense besser. Die schwerwiegendsten Probleme treten am Übergang vom Hals zur Schädelbasis auf,  wenn das Zaumzeug dort schlecht sitzt.  Dort liegt der Genickriemen. Aber auch ein zu eng geschnallter Nasen- oder Sperrriemen verursacht Probleme.

Der Hals

Zwischen dem Nackenband und den ersten beiden Halswirbeln liegen empfindliche Schleimbeutel. Schleimbeutel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Täschchen, die verhindern sollen, dass das Band an den Wirbeln reibt und beschädigt wird. Sie vertragen nur wenig Druck und reagieren auf eine schlecht sitzende oder zu eng geschnallte Trense mit erhöhter Flüssigkeitsproduktion und Schwellung. Diese Schwellung ist deutlich zu sehen. Bei Dressurpferden betrifft das vor allem den Atlas, also den ersten Halswirbel, bei Springpferden ist es vor allem der 2. Halswirbel. Die betroffenen Schleimbeutel haben nicht nur äußerlich sichtbar ein Problem, sondern können auch dazu führen, dass das Pferd die Hilfen ignoriert, mit dem Kopf schlägt oder sich weigert, das Gebiss anzunehmen. Wenn es wirklich wehtut, kann es vorkommen, dass das Pferd seinen Hals „verdreht“, um dem Schmerz zu entgehen. Die Muskeln der Oberlinie können atrophieren und das Pferd entwickelt einen „Hirschhals“.

Das gut gemeinte Polstern des Kopfstücks kann leider zum Gegenteil der beabsichtigten positiven Wirkung führen. Statt zu helfen, kann die Polsterung den Druck erhöhen und Hautfalten verursachen, was weitere konzentrierte Druckpunkte hervorrufen kann. Beobachten Sie die Reaktion Ihres eigenen Pferdes auf die Polsterung genau, denn man kann es nur ausprobieren. Es gibt kein Universalrezept für alle Pferde, wenn es darum geht, wie viel Druck durch das Kopfstück dem jeweiligen Pferd zu viel ist. Eine gefühlvolle Reiterin hört ihrem Pferd zu und erkennt so, was für sie funktioniert. Und natürlich ist sie sich bewusst, dass diese Probleme nicht unbedingt nur von schlecht passendem Zaumzeug herrühren müssen, sondern auch auf Gebissprobleme oder sogar auf einen einfachen Reiterfehler zurückzuführen sein können!

Das Zaumzeug sollte so angepasst sein, dass eine Hand leicht unter das Kopfstück gleiten kann. Zwischen Nasenriemen und Nase sollte Raum für zwei Finger sein. Betrachten Sie das Zaumzeug als DIY-Handwerksprojekt, vielleicht sind am Ende der Nasenriemen, das Reithalfter und die Backenstücke unterschiedlich groß, um einem speziellen Pferd wirklich gut zu passen.

Ein zu eng anliegender Nasenriemen kann den Hals des Pferdes und seine  Versammlungsfähigkeit beeinträchtigen. Das Zaumzeug eines Pferdes muss dem Pferd immer eine freie Kaubewegung ermöglichen, damit es sich wohl fühlt und entspannt bewegt. Kaubewegung bedeutet, dass der Kiefer in der Lage sein muss, sich frei von einer Seite zur anderen zu bewegen. Wenn das Pferd versucht, mit einem zu eng verschnallten Zaumzeug zu kauen, verkrampft sich die Kiefermuskulatur und es kommt zu Druck im Nacken. Diese „Verspannung“ der Muskeln wirkt sich auf die gesamte Muskulatur des Pferdes und seine Versammlungsfähigkeit aus.

Manche Pferde haben solche Schmerzen im Kopfbereich, dass sie fälschlicherweise als „kopfscheu“ gelten. Dies kann durch korrekt angepasstes Zaumzeug verhindert werden.

 

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